Archiv für Juni 2009

Du hast Lust dich auch weiterhin zusammen mit anderen Jugendlichen zu engagieren?

Bildungsstreik

Aber wie?
Klar ist: Das schöne Leben und eine bessere Welt fallen nicht vom Himmel, sondern müssen erkämpft werden. Dabei helfen dir weder Parteien noch andere staatstragende Organisationen, denn die hatten die letzten 60 Jahre die Macht und hätten es ändern können – wenn sie es denn ernsthaft gewollt hätten…

Die wahren Bildungsgipfel finden auf der Straße statt!
Die ASJ – Anarchosyndikalistische Jugend – ist ein außerparlamentarisches Netzwerk, das es in verschiedenen Städten schon gibt, aber in Münster erst noch gegründet werden müsste.

Wir haben langfristig das Ziel, alle gängigen Massenvernichtungswaffen (Staat, Kapitalismus, …) abzuschaffen. Dazu schaffen wir einen Raum, in dem sich Jugendliche ohne Hierarchien, also gleichberechtigt, engagieren können. Kurz: Wir wollen selbst aktiv werden, ohne „von oben“ dirigiert zu werden.

Dabei arbeiten wir eng mit der FAU – Freie ArbeiterInnen Union – zusammen. Die FAU ist eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft. Dem kapitalistischen System aus Ausbeutung, Herrschaft und Diskriminierung setzt die FAU ein Gegenkonzept entgegen, das denArbeiter_innen konkret hilft und gleichzeitig auf eine gerechte Ökonomie hinarbeitet.

Die ASJ und die FAU verbindet die gleiche Ziele. Aber in der ASJ sollen sich vor Allem Schüler_innen, Studierend und Azubis vernetzen, da wir unseren Schwerpunkt auf den Alltag und die Lebenswel von junge Menschen legen. Wie Du daran teilnehmen kannst, bestimmst Du selbst.

Wenn du Lust hast, komm am 26.06.2009 zum Chill ‚n Grill an den Aasee. Wir treffen uns ab 16:00 Uhr im Don Quijote, Scharnhorststr.57. Grill & Getränke sind da, Futter bitte selbst organisieren.

Systemkritischer Aufruf zum Bildungsstreik

Könnt ihr ab jetzt hier downloaden.

Wir, die Extremisten

Man kennt uns aus dem Verfassungsschutzbericht. Wir stehen unter „Traditionelle Anarchisten“ oder „sonstige linksextreme Bestrebungen“. Anarchisten wollen alle Ordnung aus den Angeln heben und werfen Bomben. Der Staat bricht dann zusammen und dahin sind Freiheit, Demokratie und Grundrechte. Die Wirtschaft bricht auch zusammen, und wenn dann alle gleich sind, dann darin, dass es keinem mehr gut geht. Wie jeder weiß, braucht es etwas Zwang und Anreiz, sonst sind alle faul und niemand hat mehr was zu essen. Und weil wir genau das wollen, gehen wir bevorzugt auf Demos und sehen dabei entweder richtig bedrohlich aus, oder auch immer öfter mal ganz lustig, mit kreativen Aktionen und so. Wir infiltrieren arglose Arbeiter und Studenten und blenden die Medien mit unserem sympathischen Auftreten. Wir sind Rattenfänger, Hochstapler, Dogmatiker, Ideologen und Eiferer und liegen dem Staat oder unseren Eltern auf der Tasche. Und vor allem sind wir eines nicht, nie, niemals: Kapitalisten.

Ja, und dazu stehen wir: Wir sind gegen den Kapitalismus! Es wird Zeit: Krise, ökologisches Desaster, Ausbeutung, Verelendung… Die unsichtbare Hand des Marktes regelt das nicht wieder, der Kapitalismus kann nur als System der Ausbeutung funktionieren! Wir wollen aber auch nicht zurück in die DDR, wir wollen keinen Zentralismus, der unsere Freiheit erdrückt. Wir sind glühende VerfechterInnen der Freiheit. Deshalb muss der Sozialismus anders sein, dezentral, föderal, von uns, den Arbeitenden, selbst gesteuert.

Wir gründen deswegen keine Partei. Wir glauben nicht daran, dass dieser pseudorepräsentative Parlamentarismus den Titel Demokratie verdient. Die wollen wir nämlich eigentlich gar nicht abschaffen. Nein, wenn wir ein Problem mit „Demokratie“ haben, dann, weil das Wort immer noch „Herrschaft“ enthält. Wir wollen echte Selbstbestimmung statt gelegentlichem Kreuzchenmachen. Unsere Demokratie muss ebenso wie unser Sozialismus dezentral, föderal sein, von uns selbst ausgehen.

Wir gehen auch nicht in den DGB und die Betriebsräte, obwohl dort ArbeiterInnen dort doch mitbestimmen dürfen! Ja, so lange sie im Gegenzug friedlich bleiben und keine Forderungen stellen, die dem Kapitalismus wirklich gefährlich werden. Wir sind übrigens nicht gegen all die kleinen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, die diese im Laufe der Jahrzehnte erkämpft haben (und nun sukzessive wieder preisgeben). Wir sind nicht gegen Reformen, aber gegen Reformismus, das heißt die Beschränkung der Forderungen auf das angeblich nur „Machbare“ und die Denkverbote gegenüber wirklichen Veränderungen à la „geht ja sowieso nicht“ und „dann bricht ja alles zusammen“.

Wir sind auch nicht gegen „Globalisierung“, wir sind gegen Nationalismus und gegen die Konkurrenz nationaler „Wirtschaftsstandorte“ auf dem Rücken der Arbeitenden. Wir sind aber auch gegen eine Globalisierung, die alles und jedeN in die rücksichtslose Plünderung der Ressourcen hineinzieht, wir sind die gegen die Globalisierung einer Coca-Cola-McDoof-Plastikeinheitswelt mit immer größeren Slums. Wir sind aber auch gegen religiös begründete Herrschaft, die ist bestimmt nicht besser als unsere „aufgeklärte“. Wir jubeln daher auch nicht jede traditionalistische Gegenbewegung gegen den „Westen“ hoch.

Was aber dann? Wenn wir von dem, was wir alles nicht wollen, zu dem, was wir alles wollen, wollen, brauchen wir vor allem eines: kämpferische Gewerkschaften. --- Häh? --- OK, das kam jetzt etwas unvermittelt. Ich glaube, das versteht der Verfassungsschutz auch nicht. Wenn Ihr weiterlest, habt Ihr also ggf. einen kleinen Wissensvorsprung. Da steht also oben was von Sozialismus, Demokratie, Selbstbestimmung, dezentral und föderal. Doch so ganz genau wissen wir auch noch nicht, wie das aussehen kann. Und ganz schön lange wird es wohl noch dauern. Wir brauchen die Zeit auch zum ausprobieren.

Wir lassen uns nicht erzählen, dass der Mensch von Natur aus nach Profit strebt und außerdem jemanden braucht, der sagt, wo’s lang geht. Nein, der Mensch strebt sicherlich nach Wohlstand, Anerkennung usw., aber nach Profit wohl allenfalls von Kultur aus. Und ohne jemanden auszukommen, der sagt, wo’s langgeht, ist eine Frage des Lernens. Genauso wie der Sozialismus, also ein echter, nicht so einer wie damals in der DDR.

Die Gewerkschaft ist also eigentlich eine Schule, jedenfalls in dieser Hinsicht. Außerdem wollen wir natürlich wie jede anständige Gewerkschaft das bessere Leben im hier und jetzt, ohne aber das mit dem Fernziel zu vergessen. Die Schule ist also eine Kampforganisation, oder besser umgekehrt: Die Kampforganisation ist eine Schule. Wir lernen, unsere Macht zu erkennen, unsere Kräfte zu bündeln und zu koordinieren, um durch kollektives und direktes Handeln dieses oder jenes konkrete Ziel zu erreichen, das wir alleine nicht erreichen würden. Der Lernerfolg ist die Erfahrung von Macht und die Erfahrung, wie man kollektives Handeln koordiniert, ohne Chefs.

Zwischendurch werden wir uns immer wieder in den Fallstricken des gewerkschaftlichen Kleinkriegs verheddern. Und hoffentlich dabei immer wieder ein paar Menschen mehr bewusst gemacht haben, worin ihre Macht als kleine Rädchen im System besteht. Nämlich darin, sich nicht zu drehen. Gewerkschaftsmacht ist die Möglichkeit, die Kapitalverwertung zu stoppen. Und diese Macht kann den Arbeitenden niemand nehmen. Aber wirksam einsetzen kann man sie nur kollektiv. Und es gibt immer mehr große Wirtschaftssektoren, in denen die Arbeitenden (theoretisch) große Macht haben, aber fast keine Gewerkschaften existieren – wenn zum Beispiel alle Call Center Agents, alle Serveradministratoren oder alle TransportarbeiterInnen streiken würden, stände in kürzester Zeit fast die ganze Wirtschaft still.

Die Gewerkschaft ist nicht nur für den berühmten Fabrikarbeiter im Blaumann da – hier gehören alle hinein, die direkt oder indirekt vom Verkauf ihrer Arbeitskraft leben, oder zukünftig leben müssen, oder gelebt haben, oder die der Staat wieder zum Verkauf ihrer Arbeitskraft zwingen will. Nur die, die davon leben, dass andere für sie arbeiten, gehören nicht hierhin. Gewerkschaft heißt nicht nur Arbeitskampf, sondern auch Kultur, Bildung, auch andere Herrschaftsverhältnisse, die uns hemmen, zu bekämpfen. Aber ohne die ökonomische Macht und das Wissen, damit umzugehen, kommen wir zu nix.

So extremistisch sind wir. Wir sind übrigens die mit der Katze im Kreis. Und wir sind natürlich noch mehr und laufen nicht alle auf Demos herum und machen überwiegend auch anderes als das. Wir arbeiten in allen möglichen Betrieben, gehen zur Schule, erziehen Kinder, kassieren Rente oder ALG II, betreiben solidarischen Handel, sind Freiberufler, KünstlerInnen und sonst alles Mögliche. Außer Kapitalisten.

Wenn Ihr zu uns stoßen wollt: Geht mal bei der Fahne mit der Katze vorbei. Oder besucht uns! Wo und wie, erfahrt Ihr auf www.fau.org unter „vor Ort“ und „im Betrieb“. FAU steht übrigens für Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union. Wenn Ihr SchülerInnen, StudentInnen oder Azubis seid und etwas gegen die katastrophalen Verhältnisse im Bildungswesen unternehmen wollt, seit Ihr ebenfalls bei der ASJ willkommen. Das ist die Anarcho-Syndikalistische Jugend, die findet Ihr auch unter www.fau.org/jugend.